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Nicht nur bei den vorherrschenden Apfelsorten gibt es regionale
Unterschiede, auch bei der Apfelmostherstellung gibt es viele verschiedene Traditionen, die sich teilweise widersprechen. Die "eine, richtige Art",
Most herzustellen, gibt es deshalb nicht. Wir möchten hier eine gangbare
Methode der Mostherstellung darstellen und auf einige Probleme und
Traditionen hinweisen. Dieses Kapitel soll zunächst eine grobe Übersicht
über die notwendigen Arbeitsschritte geben und Unterschiede zur
"klassischen" Frucht- und Traubenweinherstellung herausarbeiten. Im
Kapitel "Optimierte Herstellung" werden besondere Tricks und Kniffe
vorgestellt, damit der Apfelmost möglichst lecker und haltbar wird.
Die Saftgewinnung
Zunächst müssen die sorgfältig gereinigten Äpfel mit
geeigneten Gerätschaften zerkleinert (eingemaischt) werden, anschließend
wird die Maische sofort abgepresst. Der so gewonnene Apfelsaft, der auch
als "Süßmost" bezeichnet wird, wird nun möglichst zügig vergoren. Eine Maschegärung wird nicht
durchgeführt: Der dabei entstehende Fruchtmus würde einen enormen
Bodensatz zur Folge haben, zudem besteht die Gefahr dass erhöhte
Methanolmengen entstehen.
Die Saftgewinnung ist die erste Hürde, die genommen
werden will. Die üblichen Haushaltsgeräte (Entsafter, Mixer oder
Universalgeräte) sind nicht geeignet, um Äpfel für die Mostherstellung zu
verarbeiten. Besonders günstige Entsafter haben meist nur einen kleinen
Einfüllschacht, weshalb die Äpfel aufwendig vorgeschnitten werden müssen,
und liefern eine unbefriedigende Saftausbeute. Hochwertige Entsafter (zum
Beispiel der Marke "Gastrobac") können zwar ganze Äpfel aufnehmen, aber
auch bei diesen Geräten sollte man darauf achten, dass sie im Dauerbetrieb
nicht heißlaufen. Äpfel haben schon so manchen Entsafter auf dem Gewissen.
Weitere Nachteile des Entsafters: Es kann zu einer sehr starken
Schaumbildung kommen, zudem fördert der innige Luftkontakt die Oxidation
des Mosts.
Das Hauptargument gegen die Verwendung von Entsaftern ist aber die Physik:
Je feiner der gewonnene Apfelmus, desto weniger Saft lässt sich aus dem
Mus herauspressen. Die Äpfel dürfen deshalb nicht zu einem Mus verarbeitet
werden, sondern müssen in feine Stücke zerteilt werden. Wer größere Mengen Äpfel selbst verarbeiten will
kommt um die Anschaffung einer Obstmühle und einer Weinpresse nicht herum.
Der Einsatz von Antigel ist nicht zwingend notwendig, kann die
Saftausbeute aber deutlich verbessern.
Wer die Anschaffungskosten für Mühle und Presse
scheut sollte eine Mosterei in der Nähe finden, die aus angelieferten
Äpfeln günstig Saft herstellt. Leider sind Mostereien gerade im
städtischen Umfeld selten geworden. Eine hoffentlich noch wachsende Liste
von mobilen und stationären Mostereien hat der Naturschutzbund
hier zusammengestellt. Mit dem geeigneten Gerät können Saftausbeuten
über 50% erreicht werden.
Die Saftvergärung
In einigen Regionen wird der frisch gewonnene
Apfelsaft einer Vorklärung unterzogen, bevor er vergoren wird. Dazu lässt
man den Saft einige Stunden ruhen, bis sich die gröbsten
Apfelteilchen am Boden abgesetzt haben. Der vorgeklärte Saft wird vom
Bodensatz abgezogen und wird erst dann in ein geeignetes Gärgefäß gefüllt.
Dieser Vorgang ähnelt der "Entschleimung" bei der Herstellung von Weißwein
und führt zu besonders mild und fein schmeckenden Produkten. Meist wird
der Saft jedoch direkt vergoren. Dazu wird er in geeignete Gärgefäße
gefüllt und sich selbst überlassen. Spezielle Zutaten, Zucker oder
Reinzuchthefen kommen traditionell nicht zum Einsatz.
Das Gärgefäß
In Ermangelung alternativer Gärgefäße erfolgte die
Apfelweinherstellung früher in Holzfässern. Aus hygienischer Sicht sind
Holzfässer problematisch, sie zu pflegen und sauber zu halten erfordert
einen großen Aufwand. Wir werden sehen, dass die Sauberkeit ein
wesentlicher Faktor bei der Mostherstellung ist, aus heutiger Sicht sind
Holzfässer deshalb für den Hobbywinzer unpraktikabel. Glasballons sollten
einen Ablaufhahn besitzten und kommen wegen ihres großen Eigengewichts und
der Glasbruchgefahr nur für Ansätze bis zu einer Größe von etwa 20 Litern
in Frage. Darüber hinaus sollten Plastikfässer verwendet werden. Die
Gärbehälter werden zu etwa 9/10 befüllt und selbstverständlich mit einem
Gärspund verschlossen. Bei einigen Traditionalisten hält sich die Unsitte,
den Most zunächst offen zu vergären, damit der Schaum "Dreckpartikel" aus
dem Ansatz herausschwemmt. Nicht nur aus hygienischer Sicht ist das strikt
abzulehnen: "Dreckige", faule oder schimmelige Früchte sollten ohnehin
nicht verarbeitet werden!
Wilde Hefe oder Reinzuchthefe?
Auf Äpfeln finden sich so genannte "Apiculatus-Hefen",
die eine spontane Gärung einleiten. Sie vermehren sich zu Beginn einer
Gärung sehr stark und können hochalkoholtolerante Saccharomyces-Hefen
sogar hemmen. Die Apiculatus-Hefen haben nur eine geringe Gärleistung und
eine geringe Alkoholtoleranz (rund 4 %). Ist der Anteil dieser Hefen im
Apfelmost zu groß, so besteht die Gefahr, dass ein großer Zuckeranteil
unvergoren zurück bleibt, dies macht den Most extrem verderbsanfällig. Diese
Hefen bilden zudem viele unerwünschte Gärungsnebenprodukte, zum Beispiel
flüchtige Säuren (Essig), und andere unerwünschte Aromen. Solche Weine
weisen zum Beispiel oft einen ausgesprochen intensiven, störenden
Hefegeruch auf. Diese Fehlnoten können den natürlichen Apfelgeschmack überdecken.
Trotzdem hat dieser "wilde", etwas fuselige Geschmack seine Anhänger. Wir
finden: Ein Apfelmost sollte natürlich nach den Äpfeln schmecken, aus
denen er gemacht wurde, und nicht nach wilder Hefe.
Hartnäckig hält sich das Gerücht, auf der Oberfläche
von Früchte wie Trauben und Äpfel würden "gute" Hefen leben, die eine
wilde Gärung, also eine Gärung ohne Zusatz von speziellen Reinzuchthefen,
in die richtigen Bahnen lenken können, so dass ein reintöniger Apfelmost
entstehen kann. Das ist nicht so: Gärungstüchtige
Hefen stammen vielmehr aus den Weinkellern selbst. Nur wenn sie in
ausreichender Zahl beim Gärstart zufällig in einen Ansatz gelangen wird
eine "wilde" Gärung ein gut trinkbares Produkt liefern. Dies bedeutet: Je
öfter in einem Keller bereits erfolgreich Wein oder Most hergestellt
wurde, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Weinkeller
viele "gute" Saccharomyces-Hefen befinden, die dann in
ausreichender Zahl in den spontan gärenden Wein gelangen. In einer
modernen, hygienischen Küche ist diese Wahrscheinlichkeit gering. Der
Hobbymoster sollte deshalb unbedingt eine Reinzuchthefe verwenden. Nur so
kann er eine rasche und vollständige Gärung sicherstellen, was eine Grundvoraussetzung für
das Gelingen des Mosts und seine Haltbarkeit ist. Trockenhefe kann direkt
verwendet werden, Flüssighefen sollten mit Hilfe eines Gärstarters zuvor
vermehrt werden (siehe auch Kapitel "Hefe"). Da der Apfelsaft einen eher
geringen Zuckergehalt aufweist sind Weißweinhefen sehr gut geeignet für
die Mostvergärung, zum Beispiel die Sorten "Steinberg" oder
"Assmannshausen". Diese Hefen tolerieren niedrige
Gärtemperaturen gut und verhalten sich geschmacksneutral.
Hefenährsalz
Der natürliche Zuckergehalt von Äpfeln reicht bei
vollständiger Vergärung üblicher Weise für einen Alkholgehalt von rund 6-8
%. Reinzuchthefen können diese Zuckermenge auch ohne Hefenährsalz vergären, die Zugabe von Hefennährsalz ist deshalb nicht unbedingt
notwendig. Andererseits schadet die Zugabe nicht und kann die Vitalität
der Hefe erhöhen, was zu einer geringen Zelllysis und damit zu einer etwas
geringeren Gefahr von Weinfehlern führt. Wer seinen Most derart aufzuckert um
Apfelwein herzustellen sollte auf jeden Fall Nährsalz (4 g auf 10
Liter Süßmost) verwenden.
Unabhängig von dieser "nüchternen" Betrachtung
zeigen erste Untersuchungen der Versuchsstation für Wein- und Obstbau
Haidegg, dass sich Hefenährsalz positiv auf den fertigen Apfelmost
auswirken kann. Diesen Eindruck können wir subjektiv bestätigen und
empfehlen die Zugabe von Hefenährsalz deshalb.
Ende der Gärung und Abzug von der
Hefe
Auch bei Gärtemperaturen unter 20°C ist der Zucker
innerhalb weniger Tage vollständig vergoren: Die Gasproduktion stoppt, der
Gärspund blubbert nicht mehr, und die Hefe beginnt sich
abzusetzen. Dies sollte durch eine niedrige Lagertemperatur unterstützt
werden.
Die weitere Vorgehensweise unterliegt wiederum
regionalen Traditionen. In einigen Gegenden wird der Most nun vom
Hefebodensatz abgezogen und hefefrei gelagert. Anderswo bleibt der Most
länger auf der Hefe stehen, manchmal bis zur nächsten Apfelblüte, wenn die
Temperaturen im Frühling steigen. Diese
alternativen Vorgehensweisen haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Bei der
Entscheidung, wie weiter vorzugehen ist, muss sich der Hobbywinzer bewusst
sein, dass Apfelmost im Vergleich zu Wein instabil ist: Der niedrige
Alkoholgehalt bedingt eine hohe Anfälligkeit für mikrobiell bedingte
Weinfehler. Besonders gefährlich für einen Apfelmost sind Essig- und
Milchsäurebakterien (siehe auch Kapitel "Weinfehler").
Wie auch bei der Weinherstellung besteht die Gefahr,
dass sich die am Boden liegende Hefe zu zersetzten beginnt . Die durch die
abgestorbene Hefe freigesetzten Nährstoffe sind eine ideale Grundlage für
das Wachstum unerwünschter Mikroorganismen, die zum Verderb des Mosts
führen können.
Eine lange Standzeit auf der Hefe bringt aber nicht
nur Gefahren, sondern auch Vorteile: Überlebende Hefezellen binden
eindringenden Sauerstoff und wirken somit oxidativen Prozessen entgegen,
dadurch bleibt das Apfelroma länger erhalten. Die absterbenden Hefezellen setzten zudem
Substanzen frei, die den Geschmack des Mosts positiv beeinflussen können:
So genannte Glykane und Mannoproteine aus der Hefezellwand verbessern das
"Mundgefühl" des Mosts, er schmeckt körperreicher und fülliger.
Soll der Hobbymostler nun früh von der Hefe abziehen
oder nicht? Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Unser
Ratschlag lautet: Der Most sollte nur dann lange auf der Hefe stehen
bleiben, wenn eine niedrige Lagertemperatur (maximal im Bereich von 10°C)
gewährleistet werden kann, da niedrige Temperaturen der Zelllysis und dem
Weinverderb entgegen wirken. Spätestens im Frühling, wenn die Temperaturen
im Keller wieder steigen, sollte der Most von der Hefe abgezogen werden.
Zudem sollte man den Gärspund kritisch im Auge behalten: Steigen die
Temperaturen, so dehnt sich der Most aus, und aus dem Gärbehälter
entweicht Gas. Eine Gasbildung kann jedoch ein Indiz für eine einsetzende
Milchsäuregärung sein, bei der Apfelsäure in Milchsäure umgewandelt wird
(siehe Kapitel "Mikrobiologie"). Eine beginnende Milchsäuregärung bedeutet
höchste Gefahr für den Most: Spätestens dann sollte der Most zügig von der
Hefe abgezogen und geschwefelt werden. Diest ist der Grund, warum der Most
mancherorts im Frühling von der Hefe abgezogen wird, wenn die
Lagertemperatur steigt und die Gefahr des Verderbs zunimmt.
Die Keller moderner Wohnungen sind meist zu warm für
eine Lagerung des Mosts auf der Hefe. Nochmals: Wer die kühle Lagerung nicht
gewährleisten kann sollte unbedingt früh von der Hefe abziehen.
Schwefelung
Bei dem Thema "Schwefelung" scheiden sich ebenfalls
die Geister. Wir halten eine Schwefelung bei Gärende für sinnvoll,
denn beim Abzapfen des Mosts aus dem Gefäß wird Luft in den Behälter nachgesogen. Dadurch bedeutet jedes Abzapfen ein
Infektionsrisiko, zudem steigt das Risiko des oxidativen Verderbs mit der
Menge des insgesamt eingedrungenen Sauerstoffs. Mit einer Schwefelung
können diese Risiken minimiert werden. Dazu wird dem Most die übliche
Menge Kaliumpyrosulfit (1 g auf 10 l) zugesetzt.
Manchmal wird der Süßmost zusätzlich vor der Gärung
leicht geschwefelt, wodurch der frische Apfelgeschmack vor Oxidation
geschützt wird. Dies ist nicht unbedingt notwendig wenn der
Hobbywinzer für eine rasche Angärung sorgt, zum Beispiel durch Zugabe
eines aktiven Gärstarters oder durch Zugabe von Trockenhefe. Wer seinen
Most schützen möchte sollte eine deutlich geringere Schwefelmenge
einsetzen als zum Ende der Gärung hin, da eine übermäßige Schwefelung die
Hefe behindern und die Bildung unerwünschter Gärungsnebenprodukte fördern
kann: Vor der Gärung reichen 0,2 bis maximal 0,4 g Kaliumpyrosulfit pro 10
Liter Most.
Die Lagerung
Most kann, wie jeder Wein, auf Flaschen abgezogen
werden. Der völlige Luftabschluss kann die Lagerfähigkeit erhöhen, es muss
jedoch darauf geachtet werden, dass die Flaschen keine Hefereste
enthalten.
Meist wird der Most in großen Kunststofffässern
gelagert, die mit einem Gärspund verschlossen sind. Natürlich muss
sichergestellt werden, dass Wasser aus dem Gärspund nicht versehentlich in
das Fassinnere tropft. Wie bereits erwähnt gelangt bei jeder Entnahme Luft
in das Gebinde, wodurch das Risiko einer Infektion und des Verderbs
steigt. Um diese Gefahr zu minimieren sollte der Most möglichst kühl
gelagert werden: Optimal sind Temperaturen von unter 10°C. Nochmals: Wer
eine so niedrige Lagertemperatur nicht dauerhaft gewährleisten kann sollte
früh von der Hefe abziehen und schwefeln und den Most zügig verbrauchen.
Zumindest der Luftkontakt lässt sich mit geeigneten
Gefäßen minimieren. Eine teure Lösung sind so genannte "Immervoll-Fässer".
Ihr Prinzip: Ein Schwimmdeckel sowie eine Schicht aus lebensmittelechtem
Vasellinöl sorgen für einen Luftabschluss, unabhängig vom Füllstand. Diese
Fässer sind aber nicht ganz billig in der Anschaffung. Eine günstige
Alternative sind die "Bag-in-Box"-Einwegverpackungen. Sie bestehen aus
einem weingefüllten Innenbeutel, der wiederum in einem Karton Platz
findet. Diese Beutel können auch ohne Hilfsmittel leicht befüllt
werden und falten sich bei Entnahme zusammen, weshalb der im Behälter
verbleibende Most nicht mit Luft in Berührung kommt. Die Verpackungen sind
leicht, stapelbar und sind in verschiedenen Größen erhältlich (3, 5, 10,
15 und 20 Liter)
© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck
2008
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