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Fassen wir die Herstellung eines Apfelmosts kurz
zusammen: Apfelmost entsteht bei der Vergärung von purem Apfelsaft.
Hierbei wird der Zucker vollständig vergoren, der Most schmeckt deshalb
recht sauer. Durch den niedrigen Alkoholgehalt ist der Most nur beschränkt
haltbar.
Im Folgenden werden wir einige Tipps und Kniffe
vorstellen, mit denen der Geschmack des Mosts verbessert werden kann.
Unser Hauptaugenmerk liegt jedoch auf Maßnahmen, die den Most haltbarer
machen. Um den Erfolg des Mostens zu garantieren ist es nun "vorbei" mit
der einfachen Mostbereitung: Jetzt kommen Messgeräte und spezielle Zutaten
zum Einsatz.
Sauberkeit! Sauberkeit! Sauberkeit!
Die beste Vorbeugung gegen den allzu frühen Verderb
des Mosts ist eine penible Sauberkeit bei der Herstellung und bei der
Reinigung aller Gerätschaften. Konkret bedeutet das:
- Faule und verschimmelte Früchte gehören nicht in
einen Wein, faule und verschimmelte Äpfel gehören erst recht nicht in
einen Most!
- Die Äpfel müssen vor der Einmaischung gründlich
gereinigt werden.
- Alle Geräte und Gefäße, mit denen der Wein in
Berührung kommt, müssen sauber und möglichst keimfrei sein. Zur
Desinfektion der Geräte kann zum Beispiel die im Kapitel "Sauberkeit und
Sterilität" beschriebene, konzentrierte Schwefellösung verwendet werden
Steigerung des Alkoholgehalts
Aufgrund seines niedrigen Alkoholgehalts ist der
Most anfälliger für Fehler als ein hochprozentiger Wein. Um diesem Problem
wenigstens ansatzweise zu begegnen sollte der Hobbywinzer Sorge tragen,
dass der durchgegorene Most einen Alkoholgehalt von mindestens 6 %
enthält. Als Faustformel gilt deshalb: Hat der Süßmost ein Mostgewicht von
weniger als 50°Oe, so wird der fehlende Zucker ergänzt (2,6 g/l Zucker
entsprechen 1°Oe, siehe auch Kapitel "Zucker"). Natürlich kann auch ein
höherer Alkoholgehalt angestrebt werden, aber Vorsicht: Je höher der
angestrebte Alkoholgehalt, desto wichtiger wird die Wahl einer geeigneten
Heferasse, desto wichtiger wird die Verwendung von Hefenährsalz und desto
wichtiger ist die Vermeidung zu großer Zuckermengen zum Gärstart. Sprich:
Der typische Charakter eines Apfelmosts geht verloren, zudem müssen die
Regeln der Weinbereitung beachtet werden.
In einigen Regionen bedient man sich eines Tricks,
um den Alkoholgehalt ohne Zuckerzugabe zu erhöhen: Die Äpfel werden
zunächst eingelagert, dabei verlieren sie Wasser. Dadurch sinkt zwar die
Saftausbeute, der Süßmost ist aber konzentrierter.
Säuremanagement
Da viele unerwünschte Mikroorganismen eher neutrale
pH-Werte bevorzugen ist ein niedriger pH-Wert beziehungsweise ein hoher
Säuregehalt des Mosts absolute Grundvoraussetzung für seine Haltbarkeit.
Als Faustformel gilt: Der Säuregehalt muss mindestens 8 g/l betragen,
ansonsten muss Säure ergänzt werden. Hierfür kann Milchsäure verwendet
werden (siehe auch Kapitel "Säure" für Beispielrechnungen).
Wer auf die Säuremessung und -einstellung verzichten
will muss die Finger von Tafeläpfeln lassen: Je nach Sorte enthalten sie
nur wenig Säure. Tafeläpfeln fehlt außerdem oft antibakteriell wirkender Gerbstoff,
und ihn fehlt vor allem eines: Geschmack! Glücklich ist, wer
noch einen alten Baum mit Mostäpfeln im Garten hat oder wer Zugang zu
Streuobstwiesen hat, auf denen noch alte Apfelbäume stehen. Typische, gut
geeignete Kelteräpfel tragen klingende Namen wie Trierer Weinapfel,
Schafsnase oder Winterprinzenapfel. Aber auch allgemein bekanntere Sorten
wie Boskoop oder Goldparmäne können einen guten Most ergeben. Als
Faustregel gilt: Gute
geeignete Mostäpfel sind sauer, saftig und intensiv im Geschmack.
Traditioneller Zusatz anderer Früchte
Durch die Zugabe von säure- und gerbstoffreichen
Früchten kann die Haltbarkeit des Mosts verbessert werden, und nicht nur
das: Der Most kann ganz besondere geschmackliche Note bekommen. Damit
der Apfelgeschmack nicht zurück gedrängt wird sollte man die zugesetzten
Früchte zurückhaltend dosieren.
Wir haben uns auf die Fahne geschrieben dass wir all
das, was auf diesen Internetseiten steht, auch selbst ausprobiert haben.
Wir müssen an dieser Stelle eingestehen, dass wir die traditionell
eingesetzten Beimischungen zum Apfelmost nicht systematisch ausprobiert
haben, da wir Probleme hatten, einige der eher selten anzutreffenden
Früchte zu besorgen. In diesen Fällen richten wir uns nach den in der
Literatur und im Internet verbreiteten Mengenangaben.
Traditionell werden unter anderem die folgenden
Früchte beigemengt:
Mispel
Der hohe Gerbstoffgehalt der Mispeln verbessern die
Haltbarkeit des Mosts und fördert darüber hinaus seine Selbstklärung. Ein
Anteil von 3 % sollte nicht überschritten werden. Die Mispeln werden mit
einigen Äpfeln zusammen in der Obstmühle zerkleinert, der Fruchtmus kann
dann mit etwas Anigel versetzt werden. Nach einigen Stunden Einwirkzeit wird das Gemisch zusammen mit der
restlichen Apfelmaische abgepresst.
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| Auch die Mispel
(nicht zu verwechseln mit der Mistel!) ist mit dem Apfel
verwandt. |
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Mostbirnen
Mancherorts wird der Apfelmost gern mit Mostbirnen
verschnitten um dem Wein einen etwas milderen Charakter zu verleihen. Auch
hier gilt: Tafelbirnen sind völlig ungeeignet. Leider sind Mostbirnen nur
schwer erhältlich.
Quitte
Die Quitte ergibt nicht pur nur einen sehr guten Wein,
sie macht sich auch im Apfelmost gut. Da sie einen sehr intensiven
Eigengeschmack hat sollte man sie aber vorsichtig dosieren: Der Anteil
sollte bei etwa 3 bis 6 % liegen. Die Quitten werden mit der Obstmühle
zerkleinert und mit etwas Apfelmaische vermischt. Dazu gibt man
optional einen guten Schluck Antigel und lässt das Gemisch einige Stunden
ruhen. Anschließend wird das Apfel/Quittengemisch zusammen mit der
restlichen, frisch hergestellten Apfelmaische ausgepresst.
Schlehe
Wer Schlehenwein kennt weiß den Gerbstoffgehalt
dieser kleinen Tanninbomben zu schätzen. Dem gärenden Apfelmost können
einige Schlehen direkt beigemengt werden. Auch hier gilt: Weniger ist
manchmal mehr! Je nach persönlichem Geschmack reichen 5 bis 20 g Schlehen
auf 10 Liter Wein aus.
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| Die Schlehe gehört
zu den Steinobstgewächsen, ist also verwandt mit Kirsche,
Pflaume & Co. Der Apfelmost profitiert von ihrem hohem
Gerbstoffgehalt. |
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Speierling
Der Speierling, ein Verwandter des Apfels, wird
wegen seines hohen Gerbstoffgehalts sehr geschätzt. Die Früchte werden
grob zerkleinert und werden optional mit Antigel versetzt. Nach kurzer
Einwirkzeit werden sie mit Hilfe eines Handpressbeutels ausgepresst. Der
so gewonnene Saft wird direkt zum gärenden Apfelmost gegeben, empfohlen
wird eine Konzentration von 1 bis maximal 3%.
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| Die Früchte des
Speierlings haben einen sehr hohen Gerbstoffgehalt. Der Saft des
Speierlings macht den Most herber im Geschmack und verbessert
dessen Haltbarkeit. |
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Vogelbeere oder Eberesche
Vogelbeeren können dem Most noch bei der Gärung
zugegeben werden und verleihen dem Most einen besonderen, säuerlichen
Touch. Vorsicht bei der Dosierung:10 g Vogelbeeren auf 10 Liter Wein
reichen völlig!
Sonstige
Säure- und Gerbstoffquellen
Traditionelle Mosthersteller werden nun entsetzt die
Hände über den Kopf zusammenschlagen: Der experimentierfreudige
Hobbywinzer kann alternative Zusätze verwenden, um den Säure- und
Gerbstoffgehalt des Mosts zu erhöhen. Hier ein paar Ideen zum
Ausprobieren:
Sanddorn
Sanddorn ist ausgesprochen reich an Vitamin C,
Gerbstoffen und Fruchtsäuren, und im Wein schmeckt er eher unauffällig.
Zudem ist Sanddornsaft in jeder Apotheke und in jedem Reformhaus
erhältlich: Damit ist der Sanddornsaft bestens geeignet zur
Mostverbesserung: Der Saft wird vor der Verwendung gründlich gemischt,
anschließend wird er direkt in den Most gegeben. Je nach persönlichem
Geschmack kann der Sanddorngehalt im Bereich von einem bis zwei Prozent
liegen.
Tannin/Gerbstoff
Der ambitionierte Hobbywinzer wird Tannin im Hause
haben. Nichts spricht dagegen, den Most damit aufzubessern. Auch beim Most
gilt: Spezialtannine zur Geschmacksverbesserung sind eine gute Wahl,
Tannine für die Klärung eher nicht. Eingesetzt wird 1 g Tannin auf 10
Liter Wein, eventuell auch mehr.
Zitrone
Zitronen sind relativ geschmacksneutral, daher kann
Zitronensaft verwendet werden, um den Säuregehalt im Most zu verbessern.
Dazu werden die Zitronen sorgfältig ausgepresst, ohne die helle Schicht
unter der Schale zu beschädigen (wir erinnern uns: Gelangen Teile der
hellen Schicht in den Wein, kann das zu einem Bittergeschmack führen).
Zudem sollte die Schale nicht zu stark gedrückt werden, damit die
ätherischen Öle der Schale auch dort bleiben. Der Saft wird über ein Sieb
gefiltert und zum Most gegeben. Ein bis zwei Prozent Zitronensaft sollten
den Mostgeschmack nicht nachteilig beeinflussen. Verwenden sie keinen
gekauften, fertig gepressten Zitronensaft: Hier ist der Bittergeschmack
vorprogrammiert.
Frühzeitige Erkennung von Milchsäuregärungen
Eine der größten Gefahren für den Apfemostverderb
ist der Befall mit Milchsäurebakterien. Risikofaktoren sind:
- Ein niedriger Alkoholgehalt
- Ein niedriger Gerbstoffgehalt
- Zu viel Restzucker (eventuell bedingt durch
eine "wilde Gärung")
- Eine zu lange Lagerzeit auf der Hefe
- Eine unzureichende Schwefelung
- Zu hohe Lagertemperaturen
- Infektionsrisiko durch Luftkontakt
Milchsäurebakterien bauen in Abwesenheit von Zucker
Apfelsäure ab zu Milchsäure und Kohlendioxid (siehe auch Kapitel
"Mikrobiologie", Abbildung 3.4). Das Apfelsäuremolekül weist zwei
Säuregruppen auf, das Milchsäuremolekül hat nur eine Säuregruppe. Daher
kommt es bei einer einsetzten Milchsäuregärung insgesamt zu einer
Säurereduktion.
Durch den Säureabbau kann ein milchsäurestichiger
Most zunächst durchaus angenehmer schmecken, da die Imbalance zwischen
hohem Säuregehalt und fehlendem Restzucker abgemildert wird. Dieser
Zustand hält jedoch nicht lange an, denn der wird zunehmend buttrig und
bekommt einen zunehmenden Geschmack nach Sauerkraut (siehe auch Kapitel
"Weinfehler"). Wenn sich Milchsäurebakterien im Most tummeln
muss deshalb schnell gehandelt werden.
Typische Symptome für eine Milchsäuregärung sind:
- Bildung von Kohlendioxid (Blubb-Blubb macht's im
Gärröhrchen)
- Abbau der Säure
Milchsäuregärungen verlaufen oft langsam und
führen deshalb zu keiner großen Aktivität im Gärröhrchen. Andererseits
führen auch Temperaturschwankungen zu Bewegungen im Gärröhrchen und können
eine leichte Gärung vortäuschen wo gar keine ist. Ein Säureverlust ist
hingegen ein recht verlässliches Indiz für eine Milchsäuregärung. Die
Bestimmung der Gesamtsäure ist im Kapitel "Analytik" detailliert
dargestellt. Um den Säureverlust sicher zu diagnostizieren ist eine
absolute präzise Durchführung der Messungen notwendig. Beträgt der
gemessene Säureverlust ein bis zwei Gramm Säure pro Liter, so sind die
folgenden Sofortmaßnahmen durchzuführen:
- Abzug von der Hefe (sofern noch nicht geschehen)
- Verringerung der Lagertemperatur soweit möglich
- Schwefelung
- regelmäßige Säurekontrolle
- gegebenenfalls rascher Genuss des Mosts
© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck
2008
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