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Der Säuregehalt eines Weißweins liegt grob im Bereich zwischen 7
und 8,5 g/L. Der
Säuregehalt eines Rotweins darf geringer sein, denn die in den Traubenhäuten
enthaltenen Gerbstoffe können Säuren geschmacklich „ersetzen", die
Säure liegt etwa im Bereich von 4 bis gut 7 g/L. Wohlgemerkt: Dies ist der
Säuregehalt im fertigen Wein, nicht im unvergorenen Traubensaft (Most).
Aufsäuerung bei zu niedrigem Säuregehalt
Unter guten Bedingungen in klimatisch günstigen Anbaugebieten kann der
Säureverlust bei der Reife derart hoch sein sein dass der Wein aufgesäuert
werden muss. Dies kann, wie bei Fruchtweinen auch, mit Zitronensäure oder
mit Milchsäure erfolgen (siehe Kapitel "Säure" im Fruchtweinkeller). In
unseren Breiten wird das aber eher selten der Fall sein: In der Regel hat
der Wein einen zu hohen Säuregehalt.
Säurereduktion durch Weinsteinausfall
Bei Traubenweinen kommt es bis zur Abfüllung zu
einer Säurereduktion, dies ist ein wesentlicher Unterschied zu
Fruchtweinen. Dies liegt an der Weinsäure, die in anderen Früchten fehlt.
Die Weinsäure bildet schwerlösliche Salze, die in Forum von Weinstein
ausfallen. Hierbei handelt es sich vor allem um ein Gemisch aus einem Kalium-
und dem Calcium-Salz der Weinsäure (Kaliumhydrogentartrat und
Calciumtartrat). Je nach Weinsorte erscheinen die
Weinsteinkristalle hell und klar, gelblich oder gar rötlich. In alten
Tagen diente das "Dekantieren" dazu, den Wein vom Depot, einem Gemisch aus
ausgefallenem Weinstein und Gerbstoffen, zu trennen, damit der Bodensatz
nicht mit ins Glas gelangt. Kommerzielle Weine werden heute meist
behandelt damit es keinem Weinsteinausfall in der Flasche kommt, der die
Kundschaft irritieren könnte. Der Hobbywinzer wird jedoch meistens einen
Weinsteinausfall beobachten können.
Niedrige Temperaturen senken die Löslichkeit der
Weininhaltsstoffe und fördern somit den Weinsteinausfall. Wenn der
Traubenwein nach der Gärung kühl im Ballon lagert sollte ihm deshalb
genügend Zeit gegeben werden damit die Weinsäure noch im Ballon und
möglichst nicht in der Flasche ausfällt. Eine Wartezeit von ein bis zwei
Monaten bei Lagertemperaturen um 5°C sollte eingehalten werden.
Das Ausmaß des Weinsteinausfalls hängt von sehr
vielen Faktoren ab. Oft führt der Ausfall zu einer Säurereduktion im
Größenbereich von etwa 1 bis 3 g/L Gesamtsäure, die ausfallende Menge kann
aber nicht vorhergesagt werden. Letztlich kann der Säuregehalt des
Traubenweins erst beurteilt werden wenn der Weinsteinausfall beendet ist.
Kältetest auf Kristallstabilität
Ist der Ausfall der Weinsäuren beendet oder nicht?
Das kann man kann mit einem
einfachen Test überprüfen. Man geht wie folgt vor:
- Etwa 50 mL klarer Wein werden mit 1,5 bis 2 mL
Doppelkorn versetzt. Durch die Erhöhung des
Alkoholgehalts wird die Löslichkeit der Salze verringert.
- Das Gemisch wird in ein durchsichtiges Gefäß
gefüllt und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt herum (zwischen -4°C
und 4°C) gelagert.
- Das Gefäß wird eine Woche lang täglich
geschüttelt. Entsteht innerhalb dieser Zeit weder eine Trübung noch
entsteht ein erkennbarer Bodensatz, so ist der Wein stabil.
Die Temperatur ist ein wesentlicher Faktor für die
Aussagefähigkeit des Tests. Wenn der Test im heimischen Kühlschrank
durchgeführt wird sollte unbedingt kontrolliert werden ob dieser kalt
genug ist.
Entsäuerung mit Calciumcarbonat: Ausfällung
der Weinsäure
Die
Weinsäure kann durch Zugabe von Calciumcarbonat (kohlensaurer Kalk)
ausgefällt werden. Dabei bildet sich das unlösliche Calciumsalz der
Weinsäure (Calciumtartrat), das sich am Boden absetzt. Anschließend kann der Wein vom
Bodensatz abgezogen werden. Das Reaktionsschema ist:
(HOOC-(CHOH)2-COOH + CaCO3 -> Ca(OOC-(CHOH)2-COO)2
+ CO2 + H2O
Weinsäure + Calciumcarbonat -> Calciumtartrat +
Kohlendioxid + Wasser
Bei der Reaktion entsteht neben dem
unlöslichen Calciumtartrat und Wasser auch Kohlendioxid. Bei der Ausfällung
der Säure kommt es deshalb zu einer heftigen Gasbildung, der Weinansatz
schäumt auf.
Mit der beschriebenen Methode kann
jedoch nur die Weinsäure ausgefällt werden, nicht die Apfelsäure! Mit
dieser Methode wird also der Gehalt der im Wein erwünschten Weinsäure
erniedrigt, der Gehalt der im Wein unerwünschten Apfelsäure wird nicht
erniedrigt!
Der Hobbywinzer kann zwar den
Gesamtsäuregehalt bestimmen, nicht aber die Anteile von Apfel- und
Weinsäure. Dies birgt eine Gefahr: Wird versehentlich ein Überschuss von
Calciumcarbonat zugegeben, so fällt die Weinsäure vollständig aus und der überschüssige kohlensaure Kalk
neutralisiert Apfelsäure, diese fällt
aber nicht aus und bleibt im Wein zurück. Dies kann einen herben,
seifig-salzigen Fehlgeschmack hervorrufen.
Als Faustformel gilt: Je reifer und je
saurer die Trauben, desto höher ist der Gehalt der Apfelsäure, der
Weinsäuregehalt bleibt hingegen in etwa gleich. Sie sollten deshalb
niemals mehr 2-3 g/l Gesamtsäure ausfällen, auch wenn der Säuregehalt im
Most extrem hoch ist.
Berechnung der notwendigen
Calciumcarbonatmenge
Zur Fällung von 1 g Säure in einem Liter Wein sind 0,67 g
Calciumcarbonat notwendig. Wenn Sie die Höchstmenge von 4 g Säure fällen
wollen, sind dazu also 2,7 g Calciumcarbonat notwendig.
Zur Fällung von 1 g Weinsäure sind 0,67 g
Calciumcarbonat (oder Kalziumhydrogencarbonat) notwendig. Setzen Sie nie mehr als 2,7 g Calciumcarbonat
pro Liter Wein ein!
Ein Rechenbeispiel
Ihre 15 l Traubenmost enthalten 12 g/l
Säure. Sie möchten die Säure auf 9 g/l reduzieren. Das entspricht einer
Menge von 3 g/l, die ausgefällt werden muss. Dazu müssen 3 x 0,67 g
Calciumcarbonat pro Liter Wein eingesetzt werden, also 2 g Calciumcarbonat
pro Liter Wein beziehungsweise 30 g Calciumcarbonat bezogen auf die 15 l
Wein.
Die Durchführung
Die benötigte Menge Calciumcarbonat wird abgewogen
und in in den gesamten Wein oder Traubenmost eingerührt. Achtung: Der Wein
schäumt heftig auf, das Gefäß muss groß genug sein damit genügend freier
Steigraum zur Verfügung steht! Nun soll der Ansatz 24-48 Stunden
lang bei möglicht niedriger Temperatur (0 - 4°C) ruhen. In dieser
Ruhephase bildet das ausgefallene Calciumtartrat am Boden einen hellen
Bodensatz.
Danach kann die Flüssigkeit mit einem Weinheber von Bodensatz
abgezogen werden. Die Säure sollte jetzt unbedingt nochmals gemessen und ggf.
ergänzt werden mit Milch- oder Zitronensäure.
Oft setzt sich das Calciumtartrat innerhalb der 48
Stunden nicht vollständig ab. Bevor der Wein abgefüllt wird sollte der Kältetest auf Kristallstabilität
durchgeführt werden (siehe oben), gegebenenfalls muss eine Wartezeit von
ein bis zwei Monaten bei Lagertemperaturen um 5°C sollte eingehalten
werden. Als Faustregel gilt: Je klarer der verwendete Wein vor der Fällung
war, desto schneller fallen die Salze aus. Der Wein sollte deshalb vor
der Fällung idealer Weise gefiltert werden.
Alternativ kann die Fällung mit
Kaliumhydrogencarbonat (synonym Kaliumbicarbonat, Summenformel KHCO3)
anstelle von kohlensauerem Kalk durchgeführt werden. Das bei der
Entsäuerung entstehende Kaliumhydrogentartrat kann schneller als das
Calciumtartrat ausfallen, hierfür sind aber niedrige Temperaturen zwingend
erforderlich, zudem zeigen mit Kaliumhydrogencarbonat behandelte Weine
keine Weinsteinstabilität.
Doppelsalzentsäuerung bzw. Doppelsalzfällung,
"Acidex"-Verfahren
Die Nachteile der "einfachen" Fällung mit
Calciumcarbonat liegen auf der Hand: Unreife Trauben enthalten vor allem
die unerwünschte Apfelsäure, die mit der Calciumcarbonatfällung nicht entfernt
werden kann. Gerade bei unreifem Lesegut ist der Spielraum zur Entsäuerung
daher nur gering. Die Lösung dieses Problems ist die Doppelsalzfällung,
mit der sowohl Apfel- als auch Weinsäure aus dem Most oder Wein entfernt
werden kann.
Bei der Doppelsalzfällung wird ein Teil des Weins
fast vollständig entsäuert. Anschließend werden die ausgefallenen Salze
per Filtration entfernt und der entsäuerte Wein wird mit dem Restwein
verschnitten. Die Doppelsalzfällung beruht auf zwei chemischen Tricks:
Erstens gibt man den Wein zum kohlensauren Kalk und nicht umgekehrt, wie
es bei der einfachen Fällung der Weinsäure der Fall ist. Dies hat zur
Folge dass der pH des Wein/Kalkgemischs nach oben schnellt. Unter diesen
Bedingungen fällt nicht nur das Salze der Weinsäure sondern auch das Salz
der Apfelsäure (Calcium-Malat) aus. Hierbei muss darauf geachtet werden
dass der pH-Wert des Gemischs niemals unter einen Wert von 5 fällt, dies
muss mit einem pH-Meter oder mit Teststreifen unbedingt kontrolliert
werden! Zweitens werden spezielle, reaktive Kalk-Präparate verwendet die
Spuren der Calcium-Salze enthalten, wodurch der Ausfall weiteren Malats
und Tartrats verbessert wird. Geeigneter Spezialkalk wird unter den
Handelsnamen Acidex® oder Neoanticid® vertrieben.
Berechnung der benötigten Spezialkalkmenge und
der zu entsäuernden Teilmenge
Die benötigte Kalkmenge kann wie oben beschrieben
berechnet werden, denn auch hier wird eine titrierbare Säuremenge von 1 g
mit 0,67 g Calciumcarbonat gefällt.
Zur Berechnung der Teilmenge Most oder Wein, die
entsäuert werden soll, finden sich in der Literatur verschiedene Formeln,
wir verwenden hier den "einfachen" Rechenweg nach Vogt, Jakob, Lemperle
und Weiss (1979): Der Prozentsatz der bei der Entsäuerung einzusetzenden
Most- oder Weinmenge entspricht dem Prozentsatz der Säure, die gefällt
werden soll.
Der Abbildung T3.1 zeigt die entsprechenden
Formeln.
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Abb. T3.1: Formeln zur
Doppelsalzfällung. Siehe Text für Details. |
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Ein Rechenbeispiel
20 L Wein haben einen Gesamtsäuregehalt von 15 g/L.
Der Säuregehalt soll um 6 g/L gesenkt werden.
Vorgegeben sind also:
GS = 15 g/L
GV = 20 L
ES = 6 g/L
Benötigte Menge Spezialkalk = 6 g/L x 0,67 x 20 L = 80,4
g.
Prozentsatz = 6 x 100 / 20 = 30%.
30% von 20 Litern entspricht 20L x 30 / 100 = 6 L.
Es werden also 80,4 g Spezialkalk eingesetzt um 6 L
Wein vollständig zu entsäuern.
Die Durchführung
Die abgewogene Menge Spezialkalk wird in einem
ausreichend großen Gefäß vorgelegt. Die zu entsäuernde Teilmenge wird
abgemessen und langsam, unter heftigem Rühren, zu dem Spezialkalk gegeben.
Durch das Rühren wird die bei der Reaktion entstehende Kohlensäure
ausgetrieben, und nur so bleibt der pH bei einem Wert über 5! Entsprechend
langsam muss gearbeitet werden, der pH sollte mit Hilfe eines pH-Meters
oder mit Teststreifen überwacht werden.
Bevor anschließend die entsäuerte Teilmenge zum
verbliebenen Rest des Mosts oder des Weins gegeben wird muss das
ausgefallene Tartrat und Malat vollständig abgetrennt werden. Geschieht
dies nicht, so führt der erhöhte Calciumgehalt im behandelten Wein zu
einem pappig-seifigen Geschmack und zu einem verstärkten Weinsteinaufall.
Die behandelte Teilmenge wird deshalb einige Stunden lang kalt gestellt,
dies fördert das Absetzten der Salze als Bodensatz. Die entsäuerte
Teilmenge wird vom Bodensatz abgezogen und anschließend idealer Weise filtriert
(EK-Filter) zur Entfernung aller Salzkristalle. Erst dann wird die
Teilmenge wieder mit dem Restwein vereint.
Der biologische Säureabbau (BSA) bzw. die
malolaktische Gärung
Ein altes Winzersprichwort sagt: "Wenn der neue Wein
blüht, gärt es im alten!"
Das Sprichwort beschreibt ein gewohntes Phänomen bei der professionellen
Weinbereitung: Im Frühling, wenn die Reben blühen, kommt es in den
Weinfässern mit bereits durchgegorenem Wein nochmals zu einer Gärung.
Heute weiß man, das diese "zweite" Gärung nicht von Hefen, sondern von
Milchsäurebakterien verursacht wird. Da die Milchsäurebakterien Wärme
lieben, kommt es erst im Frühling, wenn die Temperaturen im Weinkeller
steigen, zur zweiten Gärung.
Traditionell nutzt der Mensch Milchsäurebakterien zur Konservierung von
Lebensmitteln wie Sauerkraut, Joghurt oder Dauerwürsten (z.B. Salami). Ach
im Sauerteig finden sich Milchsäurebakterien. Typisch für
Milchsäurebakterien ist die Bildung von Lactat (Milchsäure). Auch bei der
zweite Gärung bilden die Milchsäurebakterien Lactat . Der Chemismus dieser
Gärung ist in Abb. T3.2 dargestellt: Ein Molekül Apfelsäure ("Malat") wird
in je ein Molekül Milchsäure (Lactat") und Kohlendioxid gespalten.
Gärungen dieser Art werden daher "malolaktische Gärungen" genannt. Jedes
Malatmolekül enthält zwei Säuregruppen (COOH), das Lactat enthält nur noch
eine Säuregruppe, deshalb kommt es zu einer Verringerung der
Gesamtsäure. Dazu ein Beispiel: Ein Wein besitzt eine titrierbare
Gesamtsäure von 12 g/L, die sich aus 6 g Apfelsäure und 6 g Weinsäure
zusammensetzt. Bei einer vollständigen malolaktischen Gärung werden die 6
g/L Apfelsäure in 3 g/L titrierbare Milchsäure umgewandelt, der
Gesamtsäuregehalt kann also auf 9 g/L gesenkt werden.
Die malolaktische Gärung wird oft auch als biologischer Säureabbau" (BSA) bezeichnet. Die BSA wird heute gezielt
genutzt, um den Säuregehalt von Traubenweinen zu reduzieren.
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| Abb. T3.2: Chemismus der malolaktischen Gärung. |
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Vorteile der malolaktischen Gärung
Durch die Milchsäurebakterien wird nicht nur die
unerwünschte Apfelsäure abgebaut, durch die entstehende Milchsäure wird
der Wein etwas dickflüssiger und bekommt dadurch ein besseres Mundgefühl
und wirkt geschmacklich voller.
Nachteile und Gefahren der malolaktischen Gärung
Was auf dem Papier einfach erscheint, erweist sich in der Praxis aber oft
als schwierig. Eine außer Kontrolle geratende oder eine unbemerkt
ablaufende malolaktische Gärung kann zu
Weinfehlern wie zum Beispiel dem Milchsäurestich, dem Geranienton oder dem Lindwerden und
damit zum Verderb des Weins führen (siehe auch Kapitel "Weinfehler und
Weinkrankheiten"). Der Grund hierfür ist der
Stoffwechsel der Milchsäurebakterien: Neben der Apfelsäure können sie noch
viele andere Stoffe vergären, dabei bilden sie nicht nur Milchsäure,
sondern auch im Wein unerwünschte Substanzen. Vergären die
Milchsäurebakterien zum Beispiel Zucker oder Weinsäure, so kann ein
Gemisch aus Milchsäure, Essigsäure und diversen höheren Alkoholen
entstehen. Ein weiteres Problem ist die Bildung von so genannten biogenen
Aminen, dazu zählt zum Beispiel das Histamin, das für allergieähnliche
Symptome und Kopfschmerzen nach dem Weingenuss verantwortlich sein kann.
Durch das Stoffwechselprodukt Diacetyl kann der Wein einen Fehlgeschmack
entwickeln, der an Molke oder Butter erinnert.
Ferner kann die Farbtiefe durch Milchsäurebakterien leiden.
Eine malolaktische Gärung muss deshalb sorgfältig
gesteuert, überwacht und rechtzeitig gestoppt werden, damit sich keine
durch Milchsäurebakterien bedingten Weinfehler einstellen können.
Von guten und bösen Milchsäurebakterien im Wein
Wie auch bei den Hefen gibt es "wilde"
Milchsäurebakterien, die zufällig in den Weinansatz gelangen und eine
malolaktische Gärung bewirken können, und "Reinzucht"-Milchsäurebakterien.
Will der Hobbywinzer eine malolaktische Gärung gezielt einleiten, so
sollte er die rein gezüchteten Kulturen unbedingt verwenden, denn diese
Stämme wurden daraufhin optimiert, weniger unerwünschte Gärungsprodukte zu
bilden und kommen mit den im Wein herrschenden Bedingungen besser zurecht.
Es gibt drei wichtige Regeln, die der Hobbywinzer beachten muss, auch wenn
er reingezüchtete BSA-Starterkulturen verwendet:
- Eine malolaktische Gärung kann nur in
zuckerfreien Weinen durchgeführt werden, also wenn die Hefe den Zucker
bereits vollständig vergoren hat. Milchsäurebakterien setzen den Zucker
nämlich zu Milch- und Essigsäure sowie Mannitol um, dann bekommt es zu
einer Säurezunahme und zu Geschmacksfehlern.
- In zuckerfreien Weinen vergären die
Milchsäurebakterien erst die Apfelsäure, anschließend die Weinsäure.
Ersteres ist gewünscht, zweiteres nicht, denn aus Weinsäure wird
ebenfalls Essigsäure gebildet. Die malolaktische Gärung muss
deshalb umgehend beendet werden sobald die Apfelsäure vollständig
vergoren wurde.
- Die Risiken der malolaktischen Gärung können
reduziert werden wenn die Bakterien optimale Bedingungen vorfinden.
Folgende Faktoren fördern Milchsäurebakterien:
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- hohe Temperaturen bei der alkoholischen
Gärung und Temperaturen zwischen 18 und 22°C, jedoch nicht über 25°C
bei der malolaktischen Gärung
- lange Standzeiten auf der Hefe nach der
Gärung, insbesondere bei hohen Temperaturen
- Hefen mit großer Neigung zur Autolyse
(Selbstauflösung)
- ein minimaler pH-Wert des Weins von etwa 3,2;
wird dieser Wert unterschritten, so kann eine Teilentsäuerung mit
Carbonat durchgeführt werden. Im laufe der malolaktischen Gärung
sollte der pH niemals 3,5 überschreiten, dies kann die Bildung
unerwünschter Produkte fördern.
- keine Schwefelung
- ein nicht zu hoher Alkoholgehalt (einige
Milchsäurebakterien weisen eine Alkoholtoleranz von über 15% auf,
für eine gezielte malolaktische Gärung sollten der Alkoholgehalt
nicht höher als 13% sein).
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Von Nährstoffen und Milchsäurebakterien
Milchsäurebakterien haben einen hohen Vitamin- und
Nährstoffbedarf. Da sich zuerst die Hefe an den vorhandenen Nährstoffen im
Most bedient hat die verwendete Rasse einen Einfluss auf die sich
anschließende malolaktische Gärung: Günstig sind Hefen mit geringem
Nährstoffbedarf. Neigt die Hefe zudem zur Autolyse (Selbstauflösung), so
werden Nährstoffe frei, die die Milchsäurebakterien zusätzlich nutzen
können. Im Datenblatt professioneller Weinhefen findet sich bei geeigneten
Rassen oft ein entsprechender Hinweis. Trotzdem ist der Einsatz spezieller
Nährstoff-Präparate zur Förderung der malolaktischen Gärung sinnvoll (zum
Beispiel BioStart® Nutri von Erbslöh).
Der Doppelsalztest:
Wann ist die Apfelsäure vollständig vergoren?
Der BSA MUSS beendet werden sobald die Apfelsäure
vollständig abgebaut ist. Der professionelle Winzer wird seinen
Traubenmost analysieren lassen und kennt den Apfelsäuregehalt genau.
Anhand der Abnahme der tirtrierbaren Gesamtsäure kann er so abschätzen
wann er die malolaktische Gärung beenden muss. Der Hobbywinzer hat diese
Möglichkeit meist nicht.
Es gibt jedoch einen einfachen Test, mit dem der
Apfelsäuregehalt zumindest abgeschätzt werden kann: Den Doppelsalz- oder
Strecker-Test. Für den Test wird eine analytische "Doppelsalzfällung" im
Reagenzglasmaßstab durchgeführt. Die Form der ausfallenden Salze ist ein
Indikator für den Apfelsäuregehalt. Man geht folgendermaßen vor:
- In einem Reagenzglas wird eine gute Messerspitze
voll Spezialkalk vorgelegt (etwa 0,1 bis 0,2 g). Der Test funktioniert
auch mit "normalem" Kalk, die CO2-Bildung verläuft dann aber deutlich
langsamer.
- Nun erfolgt die Zugabe von etwa 3 mL des zu
testenden Weins.
- Das Reagenzglas wird mit dem Daumen verschlossen,
nun kräftig schütteln bis der Kalk in dem Wein vollständig aufgeschwemmt
ist. Den Verschluss mehrfach lockern damit entstehendes Kohlendioxid
entweichen kann.
- Wenn kein Überdruck mehr entsteht wird wieder ein
kleiner Schluck Wein hinzu gegeben und geschüttelt (siehe Punkt 3)
- Ist das Reagenzglas voll wird das Kohlendioxid
nochmals intensiv ausgeschüttelt. Anschließend wird die Probe 12 bis 48
Stunden lang ruhig stehen gelassen, am Besten bei niedrigen
Temperaturen.
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Abb. T3.3:
Ergebnis des Doppelsalz-Tests.
Röhrchen 1: Spätburgunder mit vollständigem BSA.
Röhrchen 2: gleicher Wein, versetzt
mit 1 g/L Apfelsäure
Röhrchen 3: gleicher Wein, versetzt
mit 6 g/L Apfelsäure |
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Abbildung T3.3 zeigt das Ergebnis eines solchen
Doppelsalz-Tests. Hierfür wurde ein Spätburgunder eingesetzt, bei dem der
BSA bereits vollständig abgelaufen war, die Apfelsäure war also
vollständig umgewandelt in Milchsäure (Röhrchen 1). Für den Test wurden
definierten Apfelsäuremengen zugegeben: 1 g/L in Röhrchen 2 und 6 g/L in
Röhrchen 3.
In Röhrchen 1 bildet sich zuunterst eine helle, kompakte Schicht
aus überschüssigem Kalk und ausgefallenen Weinsäuresalzen. Darüber findet sich
gelegentlich eine etwas dunklere
Schicht, die ausgefallene Gerbstoffe enthält. In Röhrchen 2 erkennt man
zusätzlich einige helle Kristalle, die sich am Glas des Röhrchens
abgesetzt haben (schwarze Pfeile). Diese Kristalle enthalten
Apfelsäuresalze. Mit steigendem Apfelsäuregehalt steigt auch die Anzahl
und die Größe dieser Kristalle an der Glaswand, je nach Reaktivität
des eingesetzten Kalks und der Beschaffenheit des Weins fallen große
Kristalle zu Boden und bilden eine grobkörnige Schicht auf dem
überschüssigem Kalk (Röhrchen 3, weißer Pfeil).
ACHTUNG: Der Ausfall von apfelsäurehaltigen
Kristallen ist nicht immer gut erkennbar, und der Test ist nicht sehr
empfindlich. Es ist deshalb empfehlenswert, den Test in mehreren Röhrchen
parallel durchzuführen, und man sollte bei jedem Test mindestens ein
Röhrchen mit einer Positivkontrolle dabei haben, also mit einen Wein der
eine geringe Menge Apfelsäure enthält. Hierzu kann man die gewünschte
Apfelsäuremenge einwiegen und direkt zum Testwein zugeben (Zugabe von 1
bis 2 g/L Apfelsäure) oder man mischt den Testwein mit etwas Apfelsaft,
hierfür reicht ein Saftanteil von 1/4 bis 1/5 Volumen. Beispielsweise
mischt man 5 mL Apfelsaft 15 mL Testwein und setzt dieses Gemisch für den
Strecker-Test ein.
Die BSA-Durchführung
Zunächst durchläuft der Most die alkoholische Gärung
bis der Zucker vollständig vergoren ist. Der Alkoholgehalt sollte 13%
möglichst nicht überschreiten. Anschließend wird der Wein NICHT
geschwefelt. Nach dem Abzug von der Hefe wird der pH-Wert kontrolliert,
dieser sollte zwischen 3,2 und 3,5 liegen (gegebenenfalls eine Teilentsäuerung
mit CaCO3 durchführen um den pH zu heben).
Anschließend wird ein Nährstoffpräparat sowie eine
Milchsäure-Starterkultur zugegeben, dabei jeweils nach Dosierung und
Anleitung wie vom Hersteller angegeben verfahren. Die Temperatur wird nun
im idealen Bereich zwischen 20-22°C gehalten, 18°C sollten nicht
unterschritten werden, 25°C sollte nicht überschritten werden (siehe auch
Herstellerangaben zur verwendeten Bakterienkultur). Der Wein wird öfters
geschüttelt. Die malolaktische Gärung wird durch Schwefelung beendet
sobald:
- der angestrebte Säuregehalt erreicht ist oder
- die Apfelsäure vollständig abgebaut wird
(Doppelsalz-Test)
Die Schwefelung hemmt die malolaktische Gärung
effektiv, sie kann aber wieder einsetzen sobald die Schwefelmenge sinkt,
zum Beispiel durch innigen Sauerstoffkontakt. Der Wein sollte deshalb
unbedingt durch eine EK-Filtration zusätzlich stabilisiert werden.
ACHTUNG: Um Milchsäurebakterien sicher aus dem Wein
zu entfernen muss die EK-Filtration ist mit äußerster Sorgfalt
durchgeführt werden (siehe auch Kapitel "Filtration").
© Dr. Andreas Kranz, Birgit Schmuck
2009
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